Lean Startup oder Was haben Blockchain, Sharing Economy und autonomes Fahren gemeinsam?

Den Aufbruch ins Unbekannte. Anbieter wie Konsumenten kennen die Praxis noch nicht. Auf Fragen gibt es keine Antworten durch Recherchen, Best Practice oder gründliches Nachdenken. Unser Erfahrungswissen reicht bestenfalls für gute Annahmen, die es zu hinterfragen und überprüfen gilt. Interviewen wir unsere zukünftigen Kunden, erfahren wir Wunschbilder, deren Wahrheitsgehalt sich nicht im Wortlaut verbirgt. Hier hilft der Lean Startup Ansatz.

Wie Forscher oder Entdecker müssen wir uns in die Beobachterposition begeben. Genau hinsehen und hinter die Worte spüren. Worum geht es wirklich? Welcher Wunsch, welches Bedürfnis äußert sich hier? Und weil die heutigen Worte und tatsächlichen Entscheidungen in der noch unbekannten, zukünftigen Situation auch bei wohlgesonnenen Gesprächspartnern auseinander fallen (können), leitet uns der Lean Startup Ansatz an, wie wir durch Experimente Einblicke in noch nicht artikulierte Bedürfnisse können.

Als Coach in digitalen Innovationsprojekten ist es immer wieder meine Aufgabe, den Irrtum hinter dem Satz – wir kennen unsere Kunden seit 30 oder mehr Jahren zu erklären. Ja, der Vertrieb hört genau auf die Wünsche Ihrer Kunden, doch beziehen sich diese Wünsche in der Regel auf das bestehende Angebot: etwas mehr, etwas schneller und vor allem günstiger. Das verrät mir wenig über digitale Nutzungsszenarien auf Basis bisher unbekannter Technologien.

Der Lean Startup Ansatz macht sich bezahlt, wenn es um völlig neuartige, hoch risikobehaftete Produkt- oder Serviceentwicklungen geht. Nahezu jede etwas längere Unternehmensgeschichte kennt gescheiterte Produktentwicklungen. Oftmals sind große Anstrengungen unternommen worden, fähige Technologen und Designer mit viel Engagement und Zeit am Werk gewesen, doch der Produktstart geriet zu einer Enttäuschung. Marketing und Vertrieb vermochten es nicht, das neue Produkt dem Kundenkreis schmackhaft zu machen. Nicht weil sie die falschen oder zu wenig Mittel eingesetzt hätten, sondern weil der erhoffte Shooting-Start ins Leere lief, schlicht kein Bedarf vorhanden war.

Aus eigener, bitterer Erfahrung und Beobachtung vieler Startups in ihrer Umgebung entwickelten Steve Blank und Eric Ries Lean Startup als Methode zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Neben einem innovativen Produkt gehören zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell eine ausreichend große Nachfrage. Der Lean Startup Ansatz richtet sich in der Hauptsache darauf, diese potentielle Nachfrage genau genug zu untersuchen, sie verlässlich zu validieren, bevor hohe Investitionen in die Produktentwicklung und Vermarktung getätigt werden. Mit Werkzeugen aus der Naturwissenschaft dem Hypothesentest und Experiment werden die Bestandteile eines zukünftigen Geschäftsmodells experimentell untersucht, um Fehlinvestitionen zu vermeiden und die wertvolle Zeit der Entwicklerteams auf die aussichtsreichen und gut verstandenen Chancen zu setzen.

Lean Startup Experiment

In der Startup-Welt gehört der Lean Ansatz inzwischen zum Selbstverständnis. In etablierten Unternehmen findet er gerade erst Einzug. Hier bedarf es noch einiger Überzeugungsarbeit, damit Innovationsteams vor der eigentlichen Entwicklungsarbeit mit noch unausgereiften Ideen Experimente am Markt durchführen dürfen. Ein Business Model Canvas im Workshop wird akzeptiert, doch raus aus dem Gebäude? Viele, viele Hürden und Prozessvorschriften sind hier zu überwinden: angefangen von Grundsätzen wie One-Face to the Customer, Corporate Identity, Qualitätssicherung…

Beim XCamp stärken wir allen, die den Lean Weg gehen den Rücken, tauschen uns über Argumente und Praxiserfahrungen aus. Wie erkläre ich, dass Lean im Kontext von Produktentwicklung etwas anderes heißt als in Produktion und Kundenservice. Nicht Perfektion und Effizienz, sondern Vermeiden von Zeit und Ressourcen in ungeprüfte, abstrakte Entwicklungschancen.

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Eine gute Zusammenfassung gibt der HBR-Artikel von Steve Blank, 2013: Why the Lean Start-Up Changes Everything

2018-07-09T11:50:48+00:00

About the Author:

Christiane arbeitet als Coach in der Startphase von digitalen Innovationsprojekten. Unternehmen engagieren sie als Trainerin und Workshop-Moderatorin, um Mitarbeiter*innen verschiedenster Altersgruppen und Berufsrichtungen für agile Methoden und die digitale Transformation zu gewinnen.