Das war das XCamp18

Das war das XCamp18

Wieder einmal gab es viel gutes Feedback für unser diesjähriges Treffen am 25. August 2018 im Skydeck der DB Systel in Frankfurt. Einige der Teilnehmer haben über ihre Erfahrungen in ihren Blogs berichtet, manche sind aber auch nur in den internen Tools der jeweiligen Unternehmen zu finden. Zwei davon haben uns erlaubt, ihre Beiträge hier zu wiederzugeben:

Tanja Oberst

Am Wochenende war ich auf dem XCamp Rhein Main. Nachfolgend eine Zusammenfassung drei meiner favorisierten Sessions, die ich besucht habe.  Das Xcamp fand am 25.08. im Skydeck in Frankfurt statt.

Die erste Session die ich besuchte, hatte den Titel „Usability Testessen Reloaded“. Einer der Initiatoren des Usability Testessen Rhein Main erzählte, wie er angefangen hat, das Format ein wenig abgewandelt für andere Zwecke anzuwenden. Ein Beispiel das er genannt hat und in der Firma eingeführt hat, ist das Company Testfrühstück. Er fand, dass oftmals POs präsentieren, an was das Team arbeitet. Beim Company Testfrühstück, geht es ihm darum, dass auch andere Rollen präsentieren und kleine Tests aufbauen. Z.B. den Programmierern die Bühne bieten, Dinge an denen sie arbeiten zu verproben an den Kollegen. 3×10 Minuten (anstelle von den üblichen 6×12) wird beim gemeinsam Frühstück Feedback von Kollegen eingeholt. Dies fördert den Austausch untereinander, Reflexion und Teambuilding. Wie ich festgestellt habe, nutzen wir ein ähnliches Format in unserem JF der UX Designer bei DB Systel. Jeder der  Input zu einem Projekt braucht, bringt etwas mit, das er/sie in 5 Minuten verproben kann. Am besten ist es, wenn 3 Kollegen etwas zu zeigen haben, dann wird 3 mal rotiert. So erhält man in kürzester Zeit wertvolles Feedback und sieht die Dinge aus einem anderen Blickwinkel anstatt sich nur um seine eigene Achse zu drehen.

Eine bestehendes Vorgehensmodell auf einen anderen Kontext zu übertragen, das habe ich auch bei Heiko Scholz Session “Scrum @Mitarbeiterwerkstatt” beobachtet.

Heiko arbeitet bei Lufthansa als Scrum Master. Eine Gruppe operativer Mitarbeiter – das Bodenpersonal – bekam die Chance mal Dinge zu tun, die sie sonst in ihrem Arbeitsalltag nicht tun. Für den Zeitraum von 8 Wochen, durften sie sich selbstorganisierend, Reisende befragen um Probleme zu identifizieren oder Hypothesen zu verifizieren oder widerlegen, Verbesserungsideen entwickeln und verproben um dann wieder Kundenfeedback einzuholen. Das ganze nennen sie “Mitarbeiterwerkstatt”.

Der Zeitraum wurde in 4 Sprints a 2 Wochen nach Scrum aufgebaut. 7 Kollegen des Boden-Personals arbeiteten daran, ausgewählt per Los-Prinzip einer vorhergehenden Ausschreibung.

Eine der Annahmen die sie hatten war zum Beispiel, dass das Boarding angenehmer von statten geht, wenn Reisende ohne Handgepäck zuerst einsteigen und danach die Reisenden mit Handgepäck, damit erstere nicht warten müssen, während Gepäck verstaut wird. Die Hypothese konnte zwar verifiziert werden, aber bei den Umfragen ergab sich auch, dass Reisende mit Handgepäck das Gefühl haben, Reisende zweiter Klasse zu sein, wenn sie nach denen ohne Handgepäck einsteigen müssen. Das war natürlich nicht die Intention und von daher wurde das Vorgehen gleich nach dem Sprint wieder verworfen. Auch der Versuch, das Flugzeug von den hinteren Reihen zuerst zu befüllen, konnte sich im Test nicht bewähren. Besonders bei einem Flugzeug Modell besteht nämlich die Gefahr der Gewichtsverlagerung auf eine Seite. Daher wurde auch diese Idee verworfen.

Die Verbesserungs-Ideen, die beim Verproben bei den Reisenden gut ankamen, können an den Gates A15 und A16 noch bis zum Ende des Sommerflugplanes als getestet werden. Ich hoffe mein Flug im September geht von einem der beiden Gates!!

Ein weiteres Highlight des Tages war die Session “Remote Work” –  ein Video Call mit Jim Kalbach, Buchautor von u.a. dem Buch “Mapping Experiences”. Er ist für Kundenerfolg zuständig bei Mural https://mural.co und zeigte uns wie Mural räumlich getrennt arbeitenden Kollegen bei der Zusammenarbeit und sogar Remote Workshops unterstützen kann. Bei Mural identifizierten sie drei Arten der Teamarbeit. Es gibt “Split” Teams, das bedeutet, dass es zwei oder mehr Standorte gibt. Die Kollegen an den jeweiligen Standorten jedoch im gleichen Raum arbeiten. In einer “Mixed” Team arbeiten manche Kollegen räumlich entfernt und der Rest arbeitet räumlich zusammen. Bei “Remote” Teams arbeiten alle Kollegen mit räumlicher Distanz voneinander. Mit Jim Kalbach, der uns von New Jersey zugeschaltet war, hatten wir die Konstellation Mixed Team an diesem Nachmittag. Wir arbeiteten in Mural an verschiedenen Empathy Maps moderiert durch Jim. Die Post its aller unserer Maps ließen sich am Ende einfach sortieren und zu Gruppen zusammenführen, wie auf einem realen Whiteboard. Hilfreiche Features wie Timerfunktion, Voting, Kommentarfunktion, Chat, verschiedene Templates (z.B. Persona, Empathy Map, …) sowie das einfache Kopieren von Postit in Exel Tabellenzeilen und umgekehrt, machen dieses Tool interessant. Ähnliches macht realtimeboard https://realtimeboard.com/

Für Design Reviews würde sich Mural ebenso gut eignen. Anstatt zu blättern, wie in einer Präsentation, kann man die Fortschritte des Designs wie auf einem Zeitstrahl darstellen.

Was ich auf Anhieb richtig gut an Mural finde, dass die Whiteboards keinen Platz brauchen, man sie nicht leer- oder wegräumen muss und man sie immer dabei hat, sie sogar im Nachhinein bearbeiten kann – anders als bei einem Foto von einer Arbeitswand.

Als Tipps für räumlich getrenntes Arbeiten gab er noch einige Tipps mit. Hier ein Artikel darüber, wer sich tiefer einlesen möchte:

https://articles.uie.com/make_remote_design/

Weitere interessante Session wurden angeboten, aber wie das immer so ist am Barcamp Format, man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen.

Nico Jan Bach

Twitter, Hashtags, agil, Intrapreneure … und weitere Begriffe, die sich immer mehr in den Sprachgebrauch des Alltags einschleichen. Eine Welt, die mir bis vor acht Monaten im eigenen Unternehmen noch surreal erschien und letzten Samstag offenbart wurde.

Am Wochenende war ich auf dem Xcamp Rhein Main. Nachfolgend eine Zusammenfassung meiner Eindrücke und Erkenntnisse des Tages. Das Xcamp fand am 25. August im Skydeck in Frankfurt statt.

Anfang 2018 beschloss ich offener gegenüber neuen Dingen bei der DB Systel zu werden und auch fremde Veranstaltungen zu besuchen. So geschehen, am letzten Samstag mit dem Xcamp 2018 im Skydeck.

Um acht Uhr morgens startete mein Tag mit einem gemütlichen Frühstück und einem aufschlussreichen Gespräch mit der Kollegin Tanja Oberst. Die erste Erkenntnis dieser frühen Morgenstunden war für mich, dass ein Übersetzer (Alte Welt – Neue Welt) mir sicherlich durch den Tag helfen würde oder warum habe ich alle Signale der neuen Welt bisher so konsequent ignoriert?!

Dann wurde es ernst. Bewaffnet mit einer Bionade lauschte ich den einleitenden Worten der Orga-Crew von Xcamp. Eine weitere Erkenntnis überkam mich. Die neue Arbeitswelt besteht nicht nur aus den jungen Hipstern mit den Jutebeuteln aus Berlin, sondern auch aus älteren Menschen, die meine Eltern sein könnten (und ich bin 27). Das gefällt mir! Leider musste der Keynote-Speaker Martin Wolf, auf den ich mich im Vorfeld besonders gefreut hatte, aus gesundheitlichen Gründen absagen. Anschließend stellte der Systelianer Matthias Patz den Bereich der Innovation bei der DB Systel vor. Nächste Erkenntnis. Das Unternehmen, in dem ich arbeite, macht richtig viel in der neuen Welt.

Als Neueinsteiger war mir das Format eines solchen Camps noch sehr fremd. Warum sollen wir jetzt plötzlich alle selber die Sessions gestalten und werden nicht unterrichtsmäßig beschallt? Neugierig auf dieses mir noch unbekannte Format, ergriff ich die Chance und pitchte eine Idee für ein Seminar, welches Auszubildenden und Studierenden helfen sollte, ebensolche Herausforderungen zu meistern. Methoden, Tipps und Tricks von erfahrenen Menschen an die Unerfahrenen weitergeben. Meine Expertise bestand dabei aus einem eigenen abgeschlossenen, berufsbegleitenden Studium. Nachdem sich eine Handvoll Menschen interessiert gezeigt hatte, bekam ich schon einen Slot zugewiesen. Anschließend wollte ein Teilnehmer meinen Pitch auf Twitter teilen. Nachdem ich seine Nachfrage nach einem Twitter-Account verneinen musste, kam ich schon das zweite Mal an diesem Tag ins Handeln. Schnell die App gezogen und einen Account erstellt. Sonst nur aus den Medien und Trumps Unfähigkeit diesen Kanal zu nutzen bekannt, war ich fortan ein Twitter-Jüngling. Nächste Erkenntnis. Twitter ist hier der „place-to-be“.

Direkt der erste Termin des Tages in einer Couch-Lounge im Skydeck gehörte mir und meiner Session. Unwissend, was mich erwarten sollte, ging die Session mit drei weiteren Teilnehmern los. 45 spannende Minuten später überkam mich eine erneute Erkenntnis. Vorträge hängen nicht immer von der Anzahl der Teilnehmer ab, sondern von der Qualität und Diversität der Teilnehmenden. Es ging nicht primär darum, ein Ergebnis unbedingt produzieren zu müssen, sondern ein Thema zu diskutieren und sich gegenseitig zu inspirieren. Das hat Spaß gemacht!

Nachdem mir nun der Sinn des Xcamps endgültig klar war, freute ich mich auf die weiteren Sessions. Denn es geht nicht unbedingt darum, wie viel du über ein Thema weißt, sondern auch darum, mit deinen Erfahrungen anderen Leuten Mehrwert zu bringen und geistige Brandstiftung anzurichten.

Meine zweite Session (jetzt als Teilnehmer) behandelte das Thema Innovation durch Kooperation. Angestoßen wurde diese durch eine Organisatorin des Xcamps. Nachdem geklärt war, wie ein Netzwerk oder eine Kooperation eineindeutig zu definieren ist, folgte einen spannende Diskussion, welche Vorteile und Nachteile Netzwerke und Kooperationen haben. Das Thema der Innovation wurde aufgrund mangelnder Zeit nur noch rudimentär angeschnitten. Nächste Erkenntnis. Auch wenn ein spezielles Thema draufsteht und damit gestartet wird, zählt die Qualität der Diskussion und nicht unbedingt das Ergebnis.

Neben weiteren Sessions, die gut aber nicht unbedingt erwähnenswert sind, stelle ich eine weitere besondere Diskussionsrunde dar. Eine junge Dame von der Agentur RichtigundMacher referierte über das Thema, welche Sprache oder Begrifflichkeiten diese neue Welt mit sich bringt und ob wir damit noch in anderen Kontexten verstanden werden. Sie erzählte aus ihren privaten Erfahrungen, wenn sie in ihre Heimat, den tiefsten Schwarzwald kommt und mit der Familie über ihre Arbeit spricht. Sie wird nicht immer verstanden und wird wie eine Fremde behandelt. Das frustriert. Auch wenn die Dinge der gleichen Funktionalität unterliegen, wird hierfür eine andere Bezeichnung verwendet. Meine Erkenntnis aus dieser Session. Um eine positive Beziehung zwischen Menschen aufzubauen, sollte sich Sprache immer am Kontext orientieren. Eine Mutter versteht nicht unbedingt, was ein „Developer„ oder eine agile Arbeitsweise ist. Meine Welt ist nicht gleichzeitig die Welt der anderen. Darf es somit etwas weniger „denglisch„ und dafür mehr allgemeingültige Begriffe sein? Ich werde es versuchen!

Alles in allem war es ein aufschlussreicher Tag. Trotz meiner Unkenntnis über die Begrifflichkeiten, war ich immer in der Lage irgendwie mitreden zu können. Das war spannend und gab mir ein gutes Gefühl. Ich werde kommendes Jahr mit Sicherheit wieder teilnehmen. Eine schöne und inspirierende Plattform.

Die Erkenntnis des Tages: Geh mit der Zeit oder du gehst mit der Zeit.

2018-09-07T17:11:38+00:00

About the Author:

Joachim arbeitet bei der DB Systel GmbH und entwickelt dort aktuell ein KI-unterstütztes Kommunikationstool. Zuvor hat er den Aufbau des sog. "BusinessHub" und des Developer-Portals der Bahn (https://developer.deutschebahn.com) begleitet und Infrastruktur (Micro-Service-Plattform und API-Management-Portal) und manche der Services bereit gestellt, damit die Informationen der Bahn in Echtzeit überall dort zur Verfügung stehen, wo sie benötigt werden.